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| H. P. Fuchs, Die Familie Bauhin in Basel - [Teil III, 1981] | | | | | |
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Bauhinia 7/2 (1981) 45-62
Die Familie Bauhin in Basel*
von Hans Peter Fuchs-Eckert, Trin
Manuskript eingegangen am 25. März 1981
Caspar Bauhin - Erster ordentlicher Professor der Anatomie und Botanik an der Universität Basel
[Fortsetzung]
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De Corporis humani
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Über die Lehrtätigkeit Bauhins in der Professur der Praktischen Medizin und über die Amtsführung des beinahe 54jährigen als Stadtarzt ist nichts weiter bekannt, so dass man wohl annehmen darf, er habe diese beiden Ämter während der etwas mehr als zehn Jahre dauernden Amtszeit mehr schlecht als recht verwaltet. Am 16. November 1614 hält Bauhin als Ordinarius fur Praktische Medizin seine Antrittsvorlesung «de Homine Oratio», die ohne Titeldruckjahr auf 39 Quartseiten bei Johann Jacob Genath in Basel im Druck erscheint. Es stellt diese in der «Aula Medicorum» vorgetragene Rede eine ausgezeichnete, kondensierte, allgemein verständliche und nahezu lückenlose Aufzählung und Benennung sämtlicher Teile des menschlichen Körpers dar, ergänzt durch physiologische Erläuterungen, pathologische Anmerkungen und klassische Zitate. Auch die übrigen Publikationen anatomischen Inhaltes, die Bauhin im Verlaufe der Jahre von 1588 bis 1620 veröffentlichte, stellen weitgehend entweder direkt die Wiedergabe seiner Vorlesungen dar oder müssen als Vorlesungen und Demonstrationen begleitende oder ergänzende Handbücher für die Medizinstudenten angesehen werden. 1588 erscheint als erste Veröffentlichung Bauhins in Kleinoktav auf 16 unnumerierten und 64 numerierten Seiten bei Eusebius Bischof in Basel der erste, die äusseren Teile des menschlichen Körpers behandelnde Teil seiner Anatomie unter dem Titel «De Corporis Hvmani partibus externis - Tractatus, hactenus non editus. - Basileae, ex officina Episcopiana.», eine Publikation, die nach Bauhins Aussagen im Vorwort, in dem er auch bereits auf die Entdeckung der Ileocoecalklappe hinweist, seine bei der öffentlichen Zergliederung am 7. Februar 1586 nur kurz gegebenen Erklärungen für die Anfänger ausführlicher darlegt. Ergänzt werden diese Ausführungen in der zweiten, ohne Titeldruckjahr unter dem Titel «Anatomes - Liber Primus. - Externarum humani corporis partium appellationem, descriptionem & explicationem accuratam, continens. - Iterata editio, priore longe auctior & locupletior. - Basileae. Per Sebastianum Henric Petri.» im März 1591 in Kleinoktav bei Sebastian Henric Petri in Basel erschienenen Auflage durch Zitate, vor allem aus den alten griechischen Schriften sowie aus Galen, so dass diese zweite Auflage mit 17 unnumerierten 45 | 46 und 151 numerierten Seiten beinahe den doppelten Umfang aufweist im Vergleich zur Edition von 1588. Eine dritte, wiederum ohne Titeldruckjahr im März 1597, erneut bei Sebastian Henric Petri in Basel zusammen mit dem zweiten Teil der Anatomie erschienene Auflage mit dem Titel «Anatomes - Liber Primus, Externarum Humani corporis partium appellationes ex antiquitate depromptas, earum descriptiones, explicationem accuratam & vsum, continens: Editio tertia. - et Liber Secundus, Partium Similarium Spermaticarum tractationem per quatuor causas, ex Hippocrat. Platon. Aristot. Galeni & recentiorum claszicorum doctrina proponit: multaqe noua inuenta exhibet: Editio altera. - Cum duplici Indice, altero Capitum in principio, altero Rerum infine locupletiss. - Basileae, per Sebastianvm Henricpetri.» auf 23 unnumerierten und 151 numerierten Kleinoktavseiten ist weitgehend mit der zweiten aus dem Jahre 1591 identisch. Der zweite Teil seiner Anatomie erscheint, ebenfalls in Kleinoktav, ohne Titeldruckjahr im März 1592 auf 40 unnumerierten und 530 numerierten Seiten gleichermassen bei Sebastian Henric Petri in Basel unter dem Titel «Anatomes - Liber Secundus. Partium Similarium Spermaticarum tractationem, per quatuor causas, ex Hippocratis, Aristotelis, Galeni & recentiorum, doctrina, traditam, continens. - Liber hactenus non editus. - Basileae, per Sebastianvm Henricpetri.» und behandelt, durch zwei schlechte, kleine und stark schematisierte Darstellungen der Hohlvene und der Pfortader illustriert, zuerst die «Partes similares», d.h. Knochen, Knorpel, Bänder, Muskeln und Nerven [pp. 1-197], und sodann die «Partes dissimilares», d.h. Eingeweide, Kopf und Extremitäten [pp. 198-530]. Auch die 1597 zusammen mit dem «Liber Primus» auf 14 unnumerierten und 536 numerierten Seiten erneut abgedruckte Zweitauflage des zweiten Teiles von Bauhins Anatomie weicht von der ersten Auflage aus dem Jahre 1591 nur geringfügig ab. Dieses zweiteilige Anatomiewerk Bauhins enthält vorzugsweise allgemeine Anatomie nebst physiologischen Bemerkungen und fusst, entgegen Bauhins Aussagen im Vorwort, wo er speziell Vesal, Falloppio und Columbus, vor allem das Anatomiewerk «De Corporis Hvmani strvctvra & Vsu Libri III. Tabulis methodice explicati, Iconibus accurate illustrati.» von Felix Platter, erstmalig 1583 in Basel bei Froben erschienen, lobend erwähnt, in erster Linie auf Hippocrates und Aristoteles sowie auf Galen. Was bereits dieses anatomische Erstlingswerk Bauhins besonders wertvoll macht, ist die Aufzählung der verschiedenen Namen, die die einzelnen Teile des menschlichen Körpers von den Schriftstellern in den vorhergehenden Jahrhunderten erhalten hatten.
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Fabrica
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Auch das vierbändige anatomische Kompendium Bauhins, erstmalig im September 1590 ohne Titeldruckjahr auf 32 unnumerierten und 397 numerierten Seiten in Kleinoktav in Basel bei Sebastian Henric Petri unter dem Titel «De Corporis humani fabrica: Libri IIII. - Methodo Anatomica in praelectionibus pub. proposita: ad And. Vesalij Tabulas instituta: sectionibusque publicis & priuatis, comprobata. - Multis deniq; nouis inuentis & opinionibus aucta. - Basileae, per Sebastianvm Henricpetri.» erschienen, basiert auf Bauhins Vorlesungen und stellt recht eigentlich das in Druck gegebene Kollegienheft dar in der Form eines kurzen Textes zu Vesals Abbildungen, auf die im Text anhand der Buchstabenbezeichnungen fortlaufend verwiesen wird. Auch diese Publikation erhält ihren besonderen Wert durch die Zusammenstellung sämtlicher Synonyme sowie durch die neue, auf Substanz, Form, Gestalt, Ursprung, Zahl der Köpfe, Grösse, Lage oder Funktion basierte Nomenklatur der Muskeln, während die einzelnen Organe nach Form und Lage nur ganz 46 | 47 oberflächlich beschrieben sind. Seine Vorlesungen und damit auch seine vierbändige «Fabrica» stützen sich in erster Linie auf Autoren wie Vesal, Sylvius, CoIumbus und Falloppio, daneben auch auf De Zerbis, Stephanus, Eustachius und Picolhominus. 1597 erscheint, wiederum in Kleinoktav, bei Johann le Preux in Lyon eine stark vermehrte und vollständig überarbeitete Neuauflage unter dem Titel «Anatomica Corporis virilis et mvliebris Historia - Hippocrat. Aristotel. Galeni auctoritat. illustrata & nouis inuentis plurimis aucta. - Cum Indice locupletissimo. - Lvgdvni Apud Ioannem le Preux.». Die Seitenzahl beträgt zwar nur neben 14 unnumerierten 210 numerierte gegenüber 32 unnumerierten und 397 numerierten in der ersten Auflage, doch ist der Druck 1597 erheblich kleiner. Typischerweise sind alle Hinweise auf Vesal und leider ebenso die meisten Synonyme weggelassen, die einzelnen Organe jedoch erheblich genauer und vollständiger beschrieben. Der Verzicht auf die den Text stark belastende Synonymie und die Buchstabenhinweise auf Vesal sowie die in die Marginalien verwiesenen Hinweise auf die entsprechenden Stellen bei den älteren Schriftstellern, in erster Linie wiederum Hippocrates, Aristoteles und Galen, lassen den Text erheblich flüssiger lesbar werden. Die Erweiterung des Titels basiert auf dem Umstand, dass Bauhin 1597 zusätzlich die weiblichen Genitalien ausführlich beschreibt, die in der «Fabrica» noch vollständig weggelassen waren. Erneut umgearbeitet, allerdings mit von der «Anatomica Historia» kaum abweichendem Text, erscheinen in Kleinoktav auf 236 Textseiten, am Schluss mit 12 Tafeln «Icones aliquot ex Libro Naturae, praeter communem Anatomicorum sententiam, desumptae» 1604 bei Johann le Preux in Lyon die ursprünglichen «Fabrica» unter dem Titel «Institvtiones Anatomicae Corporis virilis et mvliebris Historiam exhibentes.». Schon fünf Jahre darauf erfährt dieses Werk eine Neuauflage und wird unter dem Titel «Institvtiones Anatomicae Corporis virilis et mvliebris Historiam exhibentes. - Hippocrat. Aristot. Galeni auctoritat. illustratae & nouis inuentis plurimis. - Hac editione qvarta auctae. - Basileae. Apud Joann. Schroeter. » 1609 in Kleinoktav bei Johann Schroeter in Basel verlegt. Als vierte Auflage wird diese Neuedition bezeichnet, da Bauhin selbst sowohl die «Fabrica» wie die «Historia» - durchaus richtigerweise - mitzählt. Sie enthält, gleich der Lyoner Auflage, die 12 Tafeln, ist jedoch durch die 30 Seiten umfassenden, Venen, Arterien, Nerven, Muskeln und Knochen klassifizierenden Tabellen erweitert. Diese Tafeln sind in der dritten Edition der «Institutiones», wiederum in Kleinoktav auf 57 unnumerierten und 226 numerierten Seiten bei Paul Jacobi in Frankfurt a.M. auf Kosten von Johann Theodor de Bry 1616 unter dem Titel «Institvtiones Anatomicae Hippoc. Aristot. Galeni auctorita. illustratae. - Hac editione qvinta & postrema ab auctore emaculatae, & auctae. - Francofvrti Apud Paulum Jacobi, impensis Io. Theodor. de Bry.» verlegt, noch durch Tabellen erweitert, die die Ventres und Extremitäten klassifizieren, während die in den Auflagen von 1604 und 1609 aufgenommenen Abbildungen weggelassen sind.
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Disputationes
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Auch die in drei kleinen Schriften niedergelegten «Dispvtationes» stehen eng mit dem medizinischen Unterricht im Zusammenhang, stellen sie doch, wie Bauhin in der Einleitung zur ersten Disputation selbst darlegt, eine kurze Zusammenfassung des in den Vorlesungen ausführlich behandelten Stoffes dar. Die erste Disputation «Praelvdia anatomica», 1601 auf 32 unnumerierten Quartseiten in Basel ohne Angabe von Drucker oder Verleger erschienen und 130 meist nur sechs bis zehn Zeilen umfassende Thesen enthaltend, hat als Respondenten Philipp Höchstetter, 47 | 48 aus Augsburgischem Patriziergeschlecht stammend, der im Rektoratsjahr 1599/1600 in Basel immatrikuliert hatte und am 7. November 1604 mit dem Doktorexamen seine Studien abschloss. Auch die «Dispvtatio Secvnda - de partibvs Hvmani Corporis Theses», 1602 in der «Helvetiorum Academia» bei Conrad Waldkirch in Basel verlegt, auf 28 unnumerierten Quartseiten erschienen, wird von Höchstetter im März 1602 verteidigt. Sie enthält auf 123 Thesen verteilt die Kurzwiedergabe des Inhaltes des zweiten Bandes von Bauhins «Anatomie». Die «Dispvtatio Tertia. - de Ossivm natvra Theses», 1604 in Basel wiederum bei Conrad Waldkirch im Quartformat auf 47 unnumerierten Seiten gedruckt, umfasst in 220 Thesen das Wichtigste aus Bauhins Vorlesung über Galens «De ossibus», die er im Wintersemester 1603/04 gehalten hatte, und wird durch Johann Heinrich Froelich im Dezember 1604 verteidigt, dem Sohn des aus Plauen stammenden, 1576 ins Basler Burgerrecht aufgenommenen Huldrich Froelich, Buchdruckers und, nach Liquidation seines eigenen Betriebes 1589 bis zu seinem Tode am 3. Februar 1610, Korrektors bei Sebastian Henric Petri, geboren im Februar 1577 in Basel, gestorben 29. März 1622 als Stadtarzt von Colmar. Johann Heinrich Froelich, im Rektoratsjahr 1594/95 an der Basler Universität immatrikuliert jedoch erst am 28. Mai 1611 zum Doctor med. promoviert, hat offensichtlich über längere Zeit für Bauhin als Assistent gearbeitet und unter anderem auch die von Bauhin selbst stammenden fünf Tafeln für die erste Auflage des «Theatrvm anatomicvm» gezeichnet. Während die erste Disputation eine wertvolle Zusammenstellung des Wesens der Anatomie, über deren Geschichte und ihre Autoren, den Anatomieunterricht, das Instrumentarium des Anatomen und den Nutzen dieses medizinischen Teilfaches enthält, verlieren sich die Thesen der beiden späteren Disputationen in literarischen Kontroversen und in Definitionen, die als Marginalien im «Theatrvm anatomicvm» wieder erscheinen.
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Theatrum anatomicum
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Auch dieses 1605 in Grossoktav auf 1314 Seiten erstmalig bei Matthaeus Becker auf Kosten von Johann Theodor de Bry und nach dessen Tod von dessen Witwe und den beiden Söhnen Johann Theodor und Johann Israel de Bry in Frankfurt a. M. in erster Auflage verlegte Werk ist aus Bauhins Anatomieunterricht hervorgegangen und fasst die gesamten anatomischen Kenntnisse zum Nutzen der Studenten ausführlich zusammen. Dieses grosse, in erster Auflage dem Landgrafen Moritz von Hessen zugeeignete Werk, für welche Dedikation Bauhin einen vergoldeten Silberpokal erhielt, ist sicher das bedeutendste anatomische Werk des Basler Anatomie- und Botanikprofessors. Dabei wird im 1052 Seiten umfassenden Textteil der Inhalt der «Fabrica», der «Historia», der «Institutiones» sowie der drei Disputationen zusammengefasst, jedoch erheblich erweitert und vertieft, wobei die Beschreibungen anschaulich und ausführlich verfasst, physiologische Auseinandersetzungen weit zahlreicher aufgenommen und Hinweise auf pathologische Veränderungen sowie auf Krankheitssymptome gegeben sind. Die in der ersten Auflage der «Fabrica» 1590 nur teilweise aufgenommene neue Muskelnomenklatur ist hier 1605 konsequent durchgeführt, und die seit der ersten, 1597 erschienenen Auflage der «Historia» weggelassenen Tafelhinweise sind wieder aufgenommen, ebenso in den oft bis unter den Text reichenden Marginalien die Zitate aus älteren Schriftstellern, die unter sich verglichen werden. Die 131 in den Text eingestreuten anatomischen, mit kurzen Erklärungen, jedoch ohne Buchstabenverweise versehenen Tafeln mit insgesamt 430 Einzelabbildungen sind zum grösseren Teil, nämlich mindestens deren 97, gänzlich oder 48 | 49 zumindest teilweise aus Vesals «Fabrica» übernommen. Einige ausgewählte Tafeln, das weibliche Skelett, das Kinder- und das Embryoskelett sind in einer Zweidrittelverkleinerung aus Platters «Strvctvra» aus dem Jahre 1583 entnommen, 26 Tafeln sind Kopien aus 15 verschiedenen Werken, so aus Valverde, Eustachius und Coiter, während die fünf verbleibenden Tafeln mit durch Johann Heinrich Froelich verfertigten Zeichnungen mit Darstellungen der Ileocoecalklappe sowie der Venenklappen Originale sind. Als Separatabdruck erschienen die 197 Seiten des «Index Characterum omnium Tabularum» sowie die 35 Seiten des Index Rerum et Verborum» mit Druckjahr 1600, aber wohl erst 1605 erschienen, bei Matthaeus Becker auf Kosten der Gebrüder Johann Theodor und Johann Israel de Bry in Frankfurt a. M. mit dem Titel «Appendix Ad Theatrvm Anatomicvm sive Explicatio Characterum omnium, qui Figuris totius Operis additi fuere: quae seorsim compingi debet.» Da in der ersten Auflage des «Theatrum» die im Text zerstreut eingefügten Einzelblätter der Abbildungen auf den nebenstehenden Seiten nur mit kurzen Überschriften versehen waren, während die Buchstabenverweise im Text mühsam zusammengesucht werden mussten, entschloss sich Bauhin offenbar in der 1620 und 1621 durch Johann Theodor de Bry in Frankfurt a. M. verlegten Zweitauflage Text- und Bildteil zu trennen. So erscheint der Textteil, im Prinzip gegenüber der Erstauflage von 1605 nicht verändert, aber von den dort massenhaft vorhandenen Druckfehlern gereinigt und mit Berichtigung der vielen Irrtümer unter dem Titel «Theatrvm Anatomicvm - Infinitis locis auctum, ad morbos accomodatum ab erroribus ab Authore repurgatum, observationibus & figuris aliquot novis aeneis illustratum» mit 28 unnumerierten Seiten auf 664 Quartseiten, diesmal dem Landgrafen Wilhelm von Hessen dediziert, Anno 1621. Ein Jahr zuvor bereits war, ebenfalls im Quartformat, auf 141 Tafeln erweitert, der Tafelteil auf 265 Seiten und einem 21 numerierte Seiten umfassenden «Appendix» erschienen unter dem Titel «Vivae Imagines Partium Corporis Humani aeneis formis expressae & ex Theatro Anatomico desumptae», die Tafeln nun ergänzt durch die ausführlichen Buchstabenerklärungen unmittelbar auf der gegenüberliegenden Seite, so dass der in der ersten Auflage notwendige, 197 Seiten umfassende «Appendix» wegfallen konnte. Die «Imagines», grossenteils Platter entnommen, sind im übrigen das einzige anatomische Werk Bauhins, das auch nach seinem Ableben nochmals aufgelegt wurde, und zwar Anno 1640 in Frankfurt a. M. bei Matthaeus Merian unter demselben Titel wie 1620.
In seinen anatomischen Werken, die, wie gezeigt, im Grunde genommen samt und sonders entweder aus Bauhins Vorlesungen hervorgegangen sind oder als anatomische Lehrbücher zum Nutzen der Medizinstudenten verfasst wurden und im vier Teile umfassenden «Theatrum Anatomicum» zusammengefasst erscheinen, erweist sich Bauhin, wie auch in seinen botanischen Werken, als der mit einer erstaunlichen Akribie arbeitende, logische Systematiker und Nomenklaturist, der zwar die gesamten Kenntnisse historisch zusammenstellt und ordnet, ohne aber das vor seiner Zeit Erarbeitete wirklich kritisch zu sichten und aufgrund eigener praktischer Erfahrungen zu verbessern. So sind auch sämtliche, von ihm als Neuentdeckungen deklarierte Beobachtungen, d. h. die Klappen in der Gallenblase, der Verlauf der Gallengänge, das Nichtvorhandensein von Nierenhöhlungen, der Verlauf der Milzgefasse, die Biventrikalität des Gehirnes, die Tatsachen, dass das Rückenmark mit je zwei Stämmen aus Gross- und Kleinhirn entspringt sowie dass 49 | 50 sämtliche Nerven aus der Medulla entweder in der Schädelhöhle oder im Wirbelkanal ihren Ursprung nehmen, dass vier Augenhäute vorhanden sind, dass es vier Schlingmuskeln gibt, dass sich im Kehlkopf beidseits am Schildknorpel eine Tasche befindet, dass neben dem «Ductus Botalli» ein zweiter, die grossen Gefässe verbindender «Canal» vorhanden sei und endlich der Verlauf der «Vena Azygos» bereits vor ihm beschrieben worden. Auch die Ileocoecalklappe war, wie weiter oben schon erwähnt, im Grunde genommen keine Neuentdeckung. Noch weit mehr als in seinen anatomischen Schriften tritt Bauhins Arbeitsmentalität in seinen Veröffentlichungen über Pathologie zutage, in denen zwar mit Akribie alles über ein bestimmtes Thema bekannt Gewordene zusammengetragen ist, jedoch die wissenschaftlich objektive Kritik des Aufgezählten vollkommen fehlt. Dies zeigt sich bereits an der von Bauhin Anno 1613 in erster Auflage bei Conrad Waldkirch in Basel in Kleinoktav auf 32 unnumerierten und 288 numerierten Seiten publizierten historischen Studie «De Lapidis Bezaar Orient. et Occident. Cervini item et Germanici Ortv, Natvra, Differentijs, veroque vsu ex Veterum & Recentiorum placitis Liber hactenus non editus.» Aus Berichten von nicht weniger als 167 Autoren versucht Bauhin in dieser Zusammenstellung die Wunderkraft dieser im Intestinaltrakt von Hirschen, Rindern und Gemsen auftretenden, durch Lecken des Felles entstandenen Haarballen, die bei den Arabern als Bezoar, aus dem Persischen [padzar = Gegengift] bezeichnet werden, nachzuweisen. Dieses Universalantidot, empfohlen gegen Vergiftungen, böse Fieber, Unfruchtbarkeit und schwere Geburt wird von Bauhin kritiklos ohne genauere Untersuchungen oder gar Anführung eigener klinischer Beobachtungen angepriesen, wobei der zukünftige Basler Stadtarzt den Haarballen aus den Mägen von Gemsen vor fremden, oft gefälschten Präparaten den Vorzug gibt. Erstaunlich ist, dass diese unkritische Zusammenstellung Bauhins noch zwei weitere Auflagen erfährt, nämlich 1624 und 1625 in Basel bei Ludwig König verlegt: «De Lapidis Bezaaris Oriental. & Occident. Cervin. & Germanici Ortu natura differentiis veroque usu ex Veterum & recentiorum placitis Liber priore editione auctior.» wiederum auf 34 unnumerierten und 288 numerierten Kleinoktavseiten. Ergänzt ist diese Neuauflage durch einen Bericht über die Wirksamkeit des Bezoars vom Veroneser Arzt Francesco Pona auf den Seiten 289-294.
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De Herm- aphroditorum
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Auch die zweite Veröffentlichung pathologischen Inhaltes, die Bauhin ein Jahr darauf, 1614 in Oppenheim bei Hieronymus Galler auf Kosten von Johann Theodor de Bry auf 594 numerierten Quartseiten erscheinen liess: «De Hermaphroditorum monstrosorumque; partuum natura ex Theologorum, Jureconsultorum, Medicorum, Philosophorum, & Rabbinorum sententia. - Libri Duo hactenus non editi: plane Philologici, infinitis exemplis illustrati: omnium facultatum Studiosis, lectu ut jucundissimi, sic & utilissimi.» stellt eine unkritische Zusammenstellung der Nachrichten über die Zwitter aus weit über 500 Publikationen von 459 Autoren dar. Bauhin, der selbst unverbrüchlich an das Vorkommen wirklicher Hermaphroditen glaubt, nimmt hier die unglaublichsten Berichte aus obskuren Quellen auf und illustriert seine Arbeit mit drei Darstellungen von Zwittern, die nur der Phantasie entsprungen sein können. Die anatomischen Angaben übernimmt Bauhin aus C. Columbus. Das ganze wissenschaftlich wertlose Elaborat erweckt durchaus den Eindruck, als ob weder Auszüge noch die ganze Zusammenstellung das Werk Bauhins selbst seien. 50 | 51
Die weiteren Publikationen auf medizinischem Gebiet, die Bauhin unter seinem Namen herausbrachte, stellen praktisch ausnahmslos Neuauflagen von älteren Arbeiten dar, die teilweise überarbeitet und mit meist bedeutungslosen Ergänzungen versehen sind. Im zweiten Bande der vierbändigen Neuausgabe des ursprünglich in einem Quartband von Conrad Wolph 1566 in Basel bei Thomas Guarinus veröffentlichten Sammelwerkes «Volumen gynaeciorum, de mulierum gravidarum, parturientium & aliarum natura, morbis & affectibus libri veterum & recentiorum aliquot» nimmt Bauhin eine von François Rousset ursprünglich in französischer Sprache verfasste Arbeit in lateinischer Übersetzung sowie eine Arbeit von Hieronymus Mercurialis «De morbis muliebribus libri», auf, die 1586 erstmalig bei Conrad Waldkirch in Quarto erscheinen. Als gesonderte Publikation veröffentlicht Bauhin die lateinische Übersetzung von Roussets Arbeit sodann auf 16 unnumerierten und 175 numerierten Seiten in Oktavformat bei Conrad Waldkirch in Basel bereits 1588 unter dem Titel «YSTEROTOMOTOKIA Francisci Rovsseti, Gallicè primvm edita, nvnc verò latinè reddita: Multisque & variis Historiis in Appendice additis locupletata, comprobata & confirmata. - Adiecta est Ioan. Albosii Medici, Lithopaedii Senonensis, per annos XXIIX in Vtero contenti, Historia elegantissima.» In diesem 1588 erstmalig aufgenommenen «Appendix varias et novas historias continens, quibus ea, quae in praecedenti Tractatu continentur, comprobantur à Casparo Bauhino addita.» auf den Textseiten [176]-239 fügt Bauhin in fünf Kapiteln Exzerpte aus verschiedenen Autoren, so Felix Platter, seinem Vater Johann Bauhin und Felix Wirtz bei, wobei kritiklos teilweise die unglaublichsten Geschichten aufgenommen sind. Von grösserer Bedeutung sind Bauhins eigene Beiträge, so seine mit einer Abbildung illustrierte Notiz über Pessarien, die durch Bauhins Schwiegermutter hergestellt wurden, die Beschreibung einer Herniotomie, die ein Chirurg in Riehen im Beisein Bauhins und seiner Studenten vorgenommen hatte, der Bericht über Bauhins Entdeckung der Ileocoecalklappe in Paris Anno 1579 sowie endlich die Erzählung eines glücklich verlaufenen Kaiserschnittes, den Anno 1500 ein Schweineschneider namens Nufer in Sigershausen im Kanton Thurgau an seiner lebenden Frau durchgeführt hatte. Unverändert wurde die «YSTEROTOMOTOKIA» 1591 erneut bei Conrad Waldkirch in Basel herausgebracht, während die 1601 wiederum in Oktav bei Melchior Hartmann auf Kosten von Nicolaus Bassaeus in Frankfurt a. M. auf 31 unnumerierten und 396 numerierten Seiten verlegte Neuauflage unter einem neuen Titel erschien: «Exsectio Foetvs vivi ex matre viva sine altervtrivs vitae periculo, & absque foecunditatis ablatione, à Francisco Rosseto Gallice conscripta. Latio [sic!] reddita, & variis Historiis aucta. - Adjecta est Ioan. Albosii Protomedici Regii Foetus per ann. XXIIX. in vtero contenti & lapide facti Historia. - Franc. item Rosseti tractat. huius indurationis causas explicans.» Endlich findet sich die lateinische Übersetzung von Roussets Publikation samt Bauhins «Appendix» auch aufgenommen in der vom Strassburger Arzt Israel Spach besorgten, revidierten, verbesserten und stark erweiterten Neuauflage der «Gynaeciorum Commentarii», die auf 69 unnumerierten und 1080 numerierten Folioseiten Anno 1597 bei Lazarus Zetzner in Strassburg erschien unter dem Titel: «Gynaeciorvm sive de mvliervm tvm commvnibvs, tvm gravidarvm, parientivm, et pverperarvm Affectibvs & Morbis, Libri Graecorvm, Arabvm, Latinorvm vetervm et recentivm qvotqvot extant partim nunc primum editi, partim verd denuo recogniti, emendati, necessarijs Imaginibvs exornati, & optimorum Scriptorum auctoritatibus 51 | 52 illustrati. - Avtorvm catalogvm post praefationem inuenire licet. - Additi sunt etiam Indices Capitum, Rerum ac Verborum in his memorabilium locupletissimi & fidelissimi.» [pp. 448-479; 480-491].
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Ars sphygmica
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Eine weitere, trotz der 23 Seiten umfassenden, von Bauhin verfassten, die Ansichten von Hippokrates, Aristoteles und Galen kommentierenden «Introductio in Doctrinam Pulsuum ad Tyrones, pulsuum synopsin continens» bedeutungslose Veröffentlichung stellt auch die «Ars sphygmica sev pvlsvvm doctrina svpra M. CC. Annos perdita, & desiderata omnibus tamen medicinam cum nominis celebritate, maximaque vtilitate facere volentibus summe necessaria a Iosepho Struthio Posnaniense, Sigismvndi Avgvsti Regis Poloniae olim Medico Libris V. conscripta, & iam primum aucta. - Accessit Hieronymi Capivaccei de Pulsibus elegans Tractatus: & Caspari Bauhini Introdvctio Pulsuum Synopsin continens.» dar, die Bauhin 1602 in Basel bei Ludwig König in Oktavformat auf 43 unnumerierten und 23 sowie 460 numerierten Seiten erscheinen liess. Es ist dies eine aufgrund eines handschriftlich vom ursprünglichen Autor selbst verbesserten Exemplares verfasste Neuauflage der erstmalig 1555 in Basel veröffentlichten Studie von Joseph Struthius, der neben der 23 Seiten umfassenden Einleitung Bauhins noch auf den Seiten 357 bis 460 der «De pvlsibvs tractatus» von Bauhins Lehrer in Padua, Hieronymus Capivaccio beigefügt ist.
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Carvin- Ausgabe
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Lediglich der Vollständigkeit halber mag endlich in diesem Zusammenhang noch der durch Bauhin Anno 1605 in Hanau bei Claudius Marnius und den Erben von Johann Aubrius veröffentlichte, bei Wechel gesetzte, gegenüber der Originalausgabe aus dem Jahre 1558 unveränderte, dem Basler Mathematikprofessor Peter Ryff dedizierte Neudruck von Johann Carvins «De Sanguine Dialogi» auf 258 Duodezseiten erwähnt werden.
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De Compositione Medicamentorum
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Von grösserer, jedenfalls praktischerer Bedeutung sind - wenigstens teilweise - Bauhins Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Arzneimittellehre. Dies mag sicherlich damit zusammenhängen, dass dieses Fachgebiet Bauhins Lieblingsstudienrichtung, der Botanik, mit den zahlreichen, damals in erster Linie verwendeten Kräuterheilmitteln sehr nahestand, und Bauhin hier sich auf profunde praktische Kenntnisse stützen konnte. Sein Interesse für das Apothekenwesen zeigt sich im übrigen auch daran, dass er sich kurz nach seiner Wahl zum ordentlichen Professor der Anatomie und Botanik neben dem damaligen Stadtarzt Felix Platter zum zweiten Visitator der Basler Apotheken ernennen lässt und 1596 die neue Apothekenordnung zustande bringt, laut derer auch Studenten an den Visitationen der Apotheken teilnehmen mussten. So dürfte die wichtigste und wertvollste Publikation Bauhins auf diesem Gebiet seine auf 7 unnumerierten und 294 numerierten Oktavseiten in Offenburg auf Kosten der Erben von Nicolaus Bassaeus bei C. Nebenius erstmalig 1610 erschienene Zusammenstellung «De Compositione Medicamentorum sive Medicamentorum componendorum ratio et methodus, in Pralectionibus pub. proposita.» mit grösster Wahrscheinlichkeit mit Bauhins Interesse und Engagement bezüglich des Apothekenwesens Basels in direktem Zusammenhang stehen. Es enthält diese Veröffentlichung eine ziemlich ausführliche, aber elementare Beschreibung der damals üblichen Arzneiformen hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, ihrer Herstellung sowie der Verordnungsweise und stellt damit ein für die damalige Zeit recht wertvolles Lehrbuch der Arzneimittellehre dar. Eine um einen zweiten Teil mit Ausführungen über Nährpräparate wie Milch, Molken, 52 | 53 Honig u. ä. sowie mit Angaben über Ptisanen und Pessarien erweiterte zweite Auflage dieses Lehrbuches erschien bereits neun Jahre später, wiederum in Oktav auf 18 unnumerierten und 370 numerierten Seiten Anno 1619 in Frankfurt a.M. auf Kosten von Johann Treudel bei Paul Jacobi gedruckt unter dem Titel «De Remediorvm formvlis Graecis, Arabibvs & Latinis vsitatis; Exemplis ad plerosqve morbos accomodatis, illustratis: plurimis ratione inuentis, experientia conformatis, secretique loco habitis, comprobatis Libri, dvo, in Iuniorum Medicorum vsum editi.». Vor allem wertvoll ist in dieser Zweitauflage das neun unnumerierte Seiten umfassende Sachregister, das die Brauchbarkeit dieses Lehrbuches stark erleichtert. Ebenso wertvoll ist die kurzgefasste Pharmacopoe für Apotheker und Mediziner, die Bauhin 1605 aufgrund eines ihm von einem Apotheker Johann Legros aus Cuffien im Burgund zugestellten Manuskriptes in Hanau bei Claudius Marinus und den Erben von Johann Aubrius auf 348 Duodezseiten, gesetzt mit den Lettern des Druckers Wechel erscheinen liess: «Pharmacia Jo. Fernellii, cum Guilel. Plantii et Franc. Sagyerii Scoliis, in usum Pharmacopoeorum nunc primum edita.».
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Varignana- Ausgabe
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Demgegenüber ist das durch Bauhin in seinen Ferien auf Wunsch des Druckers und Verlegers Sebastian Henric Petri durch Vergleich einer Anzahl älterer Ausgaben zusammengeschriebene Machwerk der bereits im Jahre 1319 verfassten und in Lyon 1526 erschienenen «Secreta Medicinae Guilelmi Varignanae ad varios curandos morbos, veriss. auctoribus illustrata: nonnullis J?osculis in studiosorum gratiam additis, nunc a Casparo Bauhino ad plurium exemplariorum collationem, ab infinitis mendis castigata, et obscuriorum vocabulorum explicatione, notisque marginalibus illustrata.», erschienen 1597 bei Sebastian Henric Petri in Basel, vollkommen überholt und auch für die damalige Zeit wissenschaftlich und auch praktisch weitgehend wertlos. Auf zwölf unnumerierten und 376 numerierten Oktavseiten werden die durch den 1330 in Bologna verstorbenen Arzt und Medizinprofessor Wilhelm Varignana aus den Schriften der Araber und der späteren Griechen zusammengetragenen Haus-, Geheim- und Wundermittel zunächst für den Gebrauch des Laien, jedoch zum Nutzen der Medizinstudenten mit kurzen Erklärungen versehen, zusammengestellt, und es stellt Bauhin kaum ein besonderes Zeugnis aus, wenn er im Vorwort glaubt, dem Leserkreis einen Dienst erwiesen zu haben durch die Wiederveröffentlichung dieses von mittelalterlichem Aberglauben und Unglauben getragenen Werkes.
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Anguillara- Ausgabe
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Auch auf dem Gebiete seines Lieblingsfaches, der Botanik, betätigte sich Caspar Bauhin mit der Neuherausgabe verschiedener älterer Werke, von denen er offensichtlich annahm, dass dafür ein allgemeines Interesse und eine grössere Nachfrage vorhanden sei. So lässt er 1593 bei Sebastian Henric Petri in Oktav eine lateinische, durch Anmerkungen erweiterte Übersetzung der ursprünglich 1561 in Venedig auf 48 unnumerierten und 304 numerierten Seiten bei Vincenzo Valgrisi, ebenfalls im Oktavformat gedruckten und durch Giovanni Marinello besorgten italienisch verfassten Publikation über Heilpflanzen erscheinen, die der erste Vorsteher des botanischen Gartens in Padua (1546-1561), Ludwig Anguillara bzw. Scualermo (geb. in Anguillara bei Bracciano um 1512, gest. in Ferrara im Oktober 1570) [vgl. Teil I, p. 23], verfasst hatte: «Semplici, Li quali in piu Pareri a diuersi nobili huomini scritti appaiono, et Nuoamente da M. Giovanni Marinello mandati in luce.»
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Matthiolus- Ausgabe
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Wichtiger und gewichtiger ist sodann die von Bauhin besorgte Ausgabe in 53 | 54 Grossfolio der Werke von Pietro Andrea Matthioli (geb. 23. März 1500 in Siena, gest. in Trient Anno 1577) in lateinischer Sprache, die 1598 mit einer Dedikation an den Fürsten Friedrich, Herzog von Württemberg und Teck und Graf von Mömpelgard [vgl. Teil I, pp. 29-37, passim] in Frankfurt a. M. bei Nicolaus Bassaeus erschien: «Petri Andreae Matthioli Medici Caesarei et Ferdinandi Archiducis Austriae, Opera quae exstant omnia: Hoc est, Commentarij in VI. Iibros Pedacij Dioscoridis Anazarbei de Medica materia: Adiectis in margine variis Graeci textus lectionibus, ex antiquissimis Codicibus desumptis, qui Dioscoridis deprauatam lectionem restituunt: Nunc à Casparo Bavhino, Post diuersarum editionum collationem infinitis locis aucti: Synonymiis qvoque plantarvm et notis illvstrati: Adiectis plantarvm Iconibvs, svpra priores editiones plus quàm trecentis (quarum quamplurime nunc primum describuntur) ad viuum delineatis. De ratione destillandi aqvas ex omnibvs plantis: Et quomodo genuini odores in ipsis Aquis conseruari possint. Item Apologia in Amatvm Lvsitanvm, cvm Censura in eiusdem Enarationes. Epistolarvm Medicinalivm Libri qvinqve. Dialogvs de Morbo gallico. Cvm locvpletissimis indicibvs, tvm ad Rem Herbariam, tvm Medicamentariam pertinentibus.» Es dürfte diese Ausgabe der Werke Matthiolis, die auf 120 unnumerierten Seiten Dedikation, Vorwörter, ein Konterfei Bauhins im Alter von 38 Jahren sowie die Abhandlungen über «Simplicium Medicamentorum facultates» enthält, sodann auf 1027 numerierten Selten die eigentlichen «Commentarii» durch 2500 Holzschnitte illustriert sowie auf weiteren 259 unnumerierten Seiten die restlichen im Titel genannten Abhandlungen «De ratione destillandi Aquas ex Omnibus plantis», «Apologia in Amatum Lusitanum», «Censura in Amati Lusitani enarrationes», «Epistolarum Medicinalium libri quinque» und «Dialogus de Morbo gallico», die zuverlässigste und am sorgfältisten überarbeitete der im gesamten mehr als sechzig im Zeitraum zwischen 1544 und 1744 erschienenen Ausgaben in italienischer, lateinischer, deutscher, französischer und böhmischer Sprache sein. Das besondere Verdienst Caspar Bauhins im Rahmen dieser Gesamtauflage, der allerdings «Il viaggio di Monte Baldo» des Veroneser Apothekers Francesco Calzolaris (geb. Anno 1521 in Verona, gest. daselbst um 1600) fehlt, die den Matthioli-Ausgaben von 1571 und 1586 beigegeben ist, besteht darin, dass er sich bemühte, eine korrekte Ausgabe der lateinischen Übersetzung zu liefern, die er durch wertvolle Verbesserungen, eigene Beobachtungen, erweiterte Zitate und vermehrte Synonyme ergänzte. Vor allem aber sind es die 330 neuen Abbildungen in Form von Holzschnitten, die der Bauhin-Ausgabe besonderen Wert verleihen. Sie reichen zwar nicht an die lebendigen Darstellungen der von Heinrich Füllmaurer und Albrecht Meyer gezeichneten und von Rudolf Speckle geschnittenen Illustrationen im «Nev Kreüterbuoch» des Leonhard Fuchs heran, sind jedoch als brauchbare und taxonomisch interpretierbare Abbildungen zu werten, die die überwachende Hand des Botanikers erkennen lassen und alle dem damaligen Stand des Wissens entsprechenden Merkmale in wünschenswerter Deutlichkeit wiedergeben. Eine durch Bauhins Sohn, Johann Caspar Bauhin, veranlasste, Anno 1674 in Basel bei Johann König erschienene Zweitausgabe weicht in nichts von der Auflage aus dem Jahre 1598 ab.
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Tabernae- montanus- Ausgabe
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Weniger auf botanische Einzelheiten als vielmehr auf die praktische Verwendung der Pflanzen in Medizin, Küche und Garten ausgerichtet ist die durch Caspar Bauhin besorgte, mit über 3000 meist aus der vorigen Publikation übernommenen Holzschnitten illustrierte Ausgabe des erstmalig Anno 1588 und 1591 bei Nicolaus 54 | 55 Bassaeus in Frankfurt a.M. mit 2300 meist nach älteren Darstellungen beachtlich verbesserten nachgeschnittenen Abbildungen versehen, herausgebrachten Kräuterbuches des 1590 in Heidelberg verstorbenen Leibarztes der Grafen der Kurpfalz, Jakob Theodor, nach seinem Geburtsort Bergzabern besser unter seinem ZunamenTabernaemontanus bekannt. Die durch Bauhin nicht nur hinsichtlich der Abbildungen stark erweiterte, sondern auch bezüglich des Textes vermehrte und verbesserte, Anno 1613 in Frankfurt a.M. bei Johannes Bassaeus und Johann Dreutels verlegte, durch Nicolaus Hoffman in Grossfolio gedruckte Ausgabe umfasst, in drei Bücher unterteilt, gegen 1800 Seiten Text und Register und erwähnt, der Sitte der damaligen Zeit entsprechend, bereits im Titel eine ziemlich ausführliche Inhaltsangabe: «New vollkommentlich Kreuterbuch, Mit schoenen vnnd kuenstlichen Figuren, aller Gewaechs der Baeumen, Stauden und Kraeutern, so in Teutschen vnnd Welschen Landen, auch in Hispanien, 0st vnnd WestIndien, oder in der Newen Welt wachsen, derer vber 3000. eygentlich beschrieben werden, auch deren Vnterscheidt vnd Wirckung sampt ihren Namen in mancherley Sprachen angezeigt werden, derengleichen vormals nie in keiner Sprach in Truck kommen, darinn viel vnd mancherley heylsamer Artzney vor allerley innerlichen vnnd eusserlichen Kranckheiten beyde der Menschen, vnd dess Viehes, sampt ihrem nuetzlichen gebrauch, beschrieben werden, es sey mit Traencken, Saefft, Syrupen, Conseruen, Latwergen, Wassern Puluer, Extracten, Oelen, Saltz, Salben, Pflastern, vnd dergleichen: Darinnen auch vber tausendt hochbewaerte vortreffliche Experiment vnd heimliche Kuenste angezeigt werden. - Allen Aertzten, Apoteckern, Wundtaertzten, Schmieden, Gaertnern, Koechen, Kellern, Hebammen, Hauss Vaetern, vnd allen andern Liebhabern der Artzney sehr nuetzlich: Auss langwiriger vnd gewisser erfahrung, vnserem geliebten Vatterland zu ehren, mit sonderm Fleiss trewlich beschrieben, Durch Jacobum Theodorum Tabernaemontanum, der Artzney. Doctorem, vnd Churfuerstlicher Pfaltz Medicum. - Jetzt wiederumb mit vielen schoenen newen Figuren, auch nuetzlichen Artzneyen, vnd andern guten Stuecken, Sonderlich aber das Ander Theil mit sonderm Fleiss gemehret,». Die Übersichtlichkeit und Vollständigkeit dieses Werkes, die sich bereits in der ersten 1588 durch Theodor selbst noch besorgten Auflage des ersten Buches sowie den 1591 durch Nicolaus Braun postum veröffentlichten beiden restlichen Büchern schon weitgehend finden, brachten es mit sich, dass nach einem unveränderten, ebenfalls in Frankfurt a. M. verlegten Neudruck aus dem Jahre 1625 das Tabernaemontanus'sche Kräuterbuch in der Bearbeitung durch Caspar Bauhin noch bis ins 18. Jahrhundert hinein zahlreichen Botanikergenerationen als Einführung, vor allem in die Flora Mitteleuropas, gute Dienste leistete und nach unwesentlich verbesserten, jedoch mit ergänzenden Indices versehenen Auflagen in den Jahren 1664 und 1687 in einer vierten Auflage noch 1731 zu Basel gedruckt bei Johann Ludwig König in Offenbach a.M. auf 14 unnumerierten sowie 1529 numerierten Grossfolioseiten und mit einem 96 unnumerierte Seiten umfassenden Registerteil nochmals aufgelegt wurde.
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Animadversiones
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Auf Kosten von Nicolaus Bassaeus liess Caspar Bauhin Anno 1601 bei Melchior Hartmann in Frankfurt a. M. ein kleines, 95 Quartseiten umfassendes botanisches Traktat drucken, das er den beiden Kandidaten der Medizin und damit seinen Schülern Johann Friedrich Eggs aus Rheinfelden, der im Juli 1597 an der Basler Universität immatrikuliert hatte, und Wilhelm Simonides aus Stettin [Szczecin], immatrikuliert in Basel im August 1599, wo er auch am 11. Juni 1605 55 | 56 unter Bauhin zum Doctor med. promoviert wurde, zueignete. Diese kritische Arbeit mit dem Titel «Animadversiones in Historiam generalem plantarum Lugduni editam. - item Catalogus plantarum circiter quadrigentarum eo in opere bis terve positarum.» berichtigt in kurzer, reichlich kritisch abgefasster Form die allzu zahlreichen Fehler, Ungenauigkeiten und Doppelzitate in der 1586 und 1587 bei Wilhelm Roville zu Lyon in Folio erschienenen zweibändigen «Historia generalis plantarum», von der Caspar Bauhin im Vorwort seines Traktates zwar behauptet, den Verfasser des kritisch betrachteten Werkes nicht zu kennen und auch nicht kennen zu wollen, da es ihm nur auf die Sache und nicht auf die Person ankomme. Es ist allerdings reichlich unwahrscheinlich, dass gerade Caspar Bauhin nicht gewusst haben soll, dass sein älterer Bruder Johann Initiator dieser «Historia» war [vgl. Teil I, p. 26], um so unwahrscheinlicher im übrigen, als Conrad Gesner in einem an Johann Bauhin, pater unter dem Datum des 6. Oktober 1565 gerichteten Brief auf diese Tatsache Bezug nimmt in einem Brief, den Caspar Bauhin zusammen mit 43 anderen in der als Anhang zu Johann Bauhins Abhandlung «De plantis a divis sanctisve nomen habentibus» 1591 bei Conrad Waldkirch erscheinen liess: «Conradi Gesneri Philosophi et Medici Cl. Epistolae a Casparo Bavhino Anatomico & Botanico Professore ordinario nvnc primvm editae. - Ad Clarissimvm et Excellentiss. Asclepiadam. Ioachimvm Camerarium filium, Illvstriss. Reipub. Norimberg. Philosophum, & Medicum praestantissimum.» [vgl. auch Teil I, p. 38]. Diese, wenn auch durchaus berechtigte und nicht ausgesprochen unhöfliche Kritik Caspar Bauhins an dem Werk, an dem sein älterer Bruder Johann zumindest anfänglich massgeblich beteiligt war, wäre wohl besser unveröffentlicht geblieben, um so mehr, als Johann Bauhin, fil. selbst über die nachmalige Veröffentlichung seines Werkes ohne sein Zutun reichlich ungehalten war [vgl. Teil I, p. 26]. Im übrigen mag - zumindestens für eine gewisse Zeitspanne - dieser Fauxpas Caspar Bauhins das Verhältnis zwischen den beiden Brüdern nicht unmassgeblich zum Negativen beeinflusst haben.
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Phytopinax
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Gegenüber den vorgenannten botanischen Veröffentlichungen von weit nachhaltigerer Bedeutung sind jedoch die beiden botanisch wichtigsten Publikationen von Caspar Bauhin, der sog. «Phytopinax» einer-, der diesen fortsetzende «Pinax» anderseits. Der erste und einzig erschienene Teil des «PHYTOPINAX seu Envmeratio plantarvm ab Herbarijs nostro seculo descriptarum, cum earum differentijs: cvi plurimarum hactenus ab ijsdem non descriptarum succinctae descriptiones & denominationes accessere: Additis aliquot hactenus non sculptarum Plantarvm viuis Iconibus:», gedruckt in der Offizin des Sebastian Henric Petri in Basel, erscheint im März des Jahres 1596 im Quartformat mit einer Zueignung an den jungen französischen Arzt Pascal le Coq (geb. 1567 in Villefagnan im Poitou, gest. 18. August 1632 in Poitiers), der im Jahre 1588 als Medizinstudent an der Basler Universität immatrikuliert hatte und 1596 an der medizinischen Fakultät in Poitiers lehrte, an Jacob Zwinger (geb. am 15. August 1569 in Basel, gest. am 11. September 1610 in Basel), der nach längeren Aufenthalten zum Studium der Medizin und Physik in Italien und am 29. Oktober 1594 zum Doctor med. an der Universität Basel promoviert, seit dem 16. Oktober 1595 als Professor der griechischen Sprache an der Basler Universität amtierte, an den Nürnberger Arzt und eifrigen botanischen Korrespondenten Bauhins Leonhard Doldius (geb. am 25. Februar 1565 in Haguenau, gest. am 22. August 1611 in Nürnberg), der am 20. Juni 1594 an der Basler Universität 56 | 57 zum Doctor med. provomiert worden war, und endlich an den zukünftigen Schwiegersohn seines Bruders Johann Bauhin [vgl. Teil I, p. 44], den damals als Professor der Philosophie an der Akademie zu Nimes tätigen Johann Heinrich Cherler, bis zu seinem vor 1610 erfolgten Ableben Mitarbeiter an Johann Bauhins grosser «Historia». Die mit einem Abbild des Verfassers im Alter von 29 Jahren geschmückte Publikation umfasst neben 44 unnumerierten Seiten mit Titel, Bild des Verfassers, Gratulationsgedichten, Dedikationen, Vorwort, Bibliographie, Zusammenstellung der Mitarbeiter und Korrespondenten, einem alphabetischen Index sämtlicher Pflanzennamen und einem alphabetischen Register der neu beschriebenen Pflanzenarten 669 numerierte Seiten sowie am Ende des Bandes 11 unnumerierte Seiten mit einem Nachtrag, einem Druckfehlerverzeichnis und dem Druckervermerk. Beigebunden finden sich sodann auf 8 unnumerierten Seiten «Icones Plantarum aliquot hactenus non sculptarum» mit je einem Holzschnitt und meist nur kurzem beschreibendem Text, dem eine Seite Vorrede und die Dedikation an den aus Lublin in Polen gebürtigen Basler Arzt sowie Freund und Amtskollegen Bauhins Martin Chmieleck von Chmielnick (geb. Anno 1559 in Lublin, gest. am 3. Juli 1632 in Basel) vorgesetzt ist. Der «Phytopinax», d.h. Pflanzenverzeichnis, stellt im Grunde genommen einen «Prospectus» dar für das durch Caspar Bauhin in Aussicht genommene Gesamtwerk einer «Historia plantarum universalis», über dessen Anlage und Umfang die einzige, ausserdem erst postum Anno 1658 bei Johannes König in Basel unter dem Titel «Theatri Botanici sive Historiae Plantarvm ex Vetervm et Recentiorvm placitis propriaq. observatione concinnatae Liber Primvs» erschienene, 50 unnumerierte Seiten und 684 numerierte Kolonnen in Grossfolio umfassende, am 27. Januar 1621 zum Abschluss gebrachte erste Sektion, die Gräser im weitesten sind, d.h. unter Einschluss gewisser Vertreter der Familien der Cyperaceae und der Juncaceae umfassend, Zeugnis ablegt. Dieser «Prospectus» zur «Historia plantarum universalis» zählt im Prinzip ohne die Familie der Rubiaceae, den Grossteil der Fabaceae, einen Teil der Asteraceae, die verholzten Stauden, Halbsträucher, Sträucher und Bäume der verschiedensten Familien sowie die Kryptogamen in acht Büchern mit je sechs zwischen 12 und 98 «Arten» umfassenden Sektionen 2656 Pflanzen auf, von denen 164 als neu beschrieben und zum kleinsten Teil durch wenig ansprechende Holzschnitte illustriert werden. Die einzelnen von Bauhin als «Arten» anerkannten Taxa werden mit römischen Zahlen innerhalb einer «Gattung» fortlaufend numeriert angeführt, wobei bei den bereits vor der Veröffentlichung des «Phytopinax» bekannten «Arten» die Synonyme derjenigen Autoren angeführt werden, die die betreffende «Art» zum ersten Mal beschrieben bzw. abgebildet haben unter Zitierung des betreffenden Werkes mit Seitenzahl bzw. Hinweis auf die entsprechende Abbildung. Bei denjenigen «Arten», die Bauhin als kritisch betrachtet, finden sich neben den Synonymen noch kurze kritische Bemerkungen, während neue «Arten» durch kurze und meist erstaunlich prägnante Beschreibungen charakterisiert werden, denen der entsprechende Fundort beigefügt ist. Die polynomischen, d.h. aus mehreren Namen zusammengesetzten Bezeichnungen der einzelnen «Arten» sind praktisch ausnahmslos durch Bauhin neu gebildet, wobei alle «Arten», die Bauhin als zu einer «Gattung» gehörig betrachtet, mit demselben «Gattungsnamen» bezeichnet sind. Allerdings finden sich dazu zahlreiche Ausnahmen. So erscheinen innerhalb der ersten Sektion des ersten Buches, die die «Gramina» behandelt und 122 «Arten» enthält, mitten zwischen 57 | 58 «Arten» mit dem «Gattungsnamen» «Gramen» plötzlich zwei «Arten» der «Gattung» «Pseudocyporus» bzw. «Pseudocyperus», an anderer Stelle vier «Arten», die als «Panicum» bezeichnet werden, und endlich zwei «Arten» unter dem «Gattungsnamen» «Lolium» und sechs «Arten», die als «Festuca» bezeichnet sind. So umfassen die «Gramina» bei Bauhin denn auch neben Vertretern aus der Familie der Poaceae Taxa, die den Familien der Juncaginaceae, Cyperaceae und Juncaceae zuzurechnen sind. Die von Bauhin mit dem Namen «Gramina» bezeichnete Sektion I des ersten Buches wird denn auch von Bauhin als «Ordo» bezeichnet, d.h. mit einer Rangstufenbezeichnung, die unseren heutigen Familien entspricht, während der Begriff des «Genus» zwar auftaucht, jedoch nicht als Rangstufenbezeichnung, sondern als Deszendenz- bzw. Verwandtschaftsbegriff. Zusammengefasst und dem Begriff der heutigen Familien weitgehend entsprechend, finden sich in Bauhins «Phytopinax» auch die Orchidaceae, wo im Rahmen der allgemeinen Umschreibung der Sektion Vl. des Liber II. selbst der Versuch eines dichotomen Schlüssels gemacht ist. Weitgehend der heutigen Familienumgrenzung entsprechend sind bei Bauhin auch die Liliaceae, Brassicaceae, Apiaceae und Lamiaceae zusammengefasst, während die Vertreter anderer Familien, so vor allem der Ranunculaceae, Scrophulariaceae und Asteraceae an den verschiedensten Orten eingereiht erscheinen. Dass Bauhin sich in seinem Einteilungsprinzip von rein subjektiven, auf den äusseren Erscheinungsformen der Pflanzen basierenden Merkmalen leiten liess, mag am Beispiel der Equisetaceae illustriert werden, die Bauhin im Liber I. mit Vertretern aus den Familien Juncaceae, Cyperaceae, Typhaceae und Sparganiaceae in der Section II. zusammenfasst. Noch deutlicher mag das rein auf äusseren morphologischen Merkmalen basierende Einteilungsprinzip Bauhins durch die Sektion VI. des achten und letzten Buches des «Phytopinax» deutlich gemacht werden. Es findet sich hier neben 14 «Arten» aus der «Gattung» «Quinquefolium», d.h. Taxa aus den heutigen Gattungen Potentilla, Comarum und Alchemilla, sowie sechs «Arten» aus der «Gattung» «Fragaria», d.h. Arten der heutigen Gattungen Fragaria und Potentilla, in erster Linie die grosse «Gattung» «Trifolium» mit 61 «Arten». Hierher werden durch Bauhin neben Arten aus den heutigen Gattungen Psoralea, Medicago, Trifolium, Dorycnium und Hymenocarpus der Familie der Fabaceae auch Hepatica nobilis PH. MILLER (Ranunculaceae), Oxalis (Oxalidaceae) und Menyanthes trifoliata LINNAEUS (Menyanthaceae) wegen ihrer dreiteiligen Blätter gezogen. Immerhin versucht Bauhin offensichtlich bereits 1596 in der Anordnung seiner Bücher und Sektionen, d.h. seiner «Familien» und «Gattungen» eine systematisch logische Folge einzuhalten von seines Erachtens niedriger entwickelten zu höher entwickelten Taxa. So beginnt er mit Vertretern aus der Familie der Typhaceae, Sparganiaceae, Poaceae, Cyperaceae und Juncaceae in den Sektionen I bis IV des ersten Buches, gefolgt von Arten der Familien Liliaceae, Amaryllidaceae, Iridaceae und Orchidaceae im «Liber secundus». Das dritte Buch enthält sodann in den Sektionen I bis III im Prinzip die Brassicaceae, denen Bauhin in der Sektion VI dann jedoch einen Teil der Asteraceae folgen lässt, und auch die Sektionen I und II des vierten Buches enthalten ausnahmslos Taxa aus dieser Familie. Die Apiaceae sind in den Sektionen IV und V des «Liber quartus» aufgenommen, und auch die Lamiaceae finden sich weitgehend zusammengefasst in der IV. und V. Sektion des sechsten Buches. Weniger Glück hat Bauhin jedoch mit anderen Familien. So finden sich z. B. die 58 | 59 Vertreter der Familie der Ranunculaceae an den verschiedensten Stellen des «Phytopinax» aufgenommen: die Gattungen Nigella, Aquilegia, Consolida, Delphinium und Batrachium in der Sektion III des vierten Buches zusammen mit Arten der Gattungen Potamogeton (Potamogetonaceae), Ceratophyllum (Ceratophyllaceae), Chelidonium (Papaveraceae), Corydalis und Fumaria (Fumariaceae), Callitriche (Callitrichaceae), Myriophyllum (Haloragaceae), Hottonia (Primulaceae), Utricularia (Lentibulariaceae) und Achillea (Asteraceae), die Gattungen Isopyrum, Anemone, Pulsatilla, Ranunculus und Adonis zusammengefasst in den Sektionen II und III des «Liber quintus», die Genera Helleborus, Actaea und Aconitum anschliessend in der Sektion IV des fünften Buches zusammen mit Adonis vernalis LINNAEUS, Ranunculus Thora LINNAEUS und Ranunculus hybridus BIRIA sowie Taxa aus den Familien Liliaceae ( Veratrum), Orchidaceae (Cypripedium, Epipactis und Cephalanthera), Apiaceae (Astrantia) sowie Asteraceae (Doronicum und Senecio), die Gattung Caltha in der Sektion IV des siebten Buches zusammen mit Calendula arvensis LINNAEUS (Asteraceae) zwischen den Asteraceengattungen Scorzonera und Helianthus sowie Inula und endlich die Gattung Clematis am Anfang der zweiten Sektion des «Liber octavus», die mit der allerdings als gesonderte «Gattung» aufgeführten «Clematis daphnoides» [= Vinca (Apocynaceae)], eingereiht zwischen Vitis vinifera LINNAEUS (Vitaceae) am Ende der I. Sektion des achten Buches und der Gattung Cynanchum (Asclepiadaceae), die in der zweiten Sektion des «Liber octavus» hinter der Gattung Vinca folgt. Es scheint im übrigen, dass sich Bauhin ausser von äusserlichen morphologischen Merkmalen wie Blattform (vgl. weiter oben die Sammelsurien in seinen «Gattungen» «Quinquefolium» und «Trifolium» sowie «Achillea sive Millefolium») oder ähnlicher Wuchsform (rankende oder kriechende Gewächse) auch von Ähnlichkeiten im medizinischen Anwendungsbereich leiten liess. So fasst er die Vertreter aus den heutigen Papaveraceen-Gattungen Papaver, Meconopsis und Glaucium umfassenden «Gattungen» «Papaver» und «Argemone» mit Physalis-, Solanum-, Withania-, Mandragora-, Hyoscyamus- und Nicotiana-Arten aus der Familie der Solanaceen in der Sectio I, Liber V zusammen. Hinsichtlich der Nomenklatur wurde immer wieder behauptet, dass Caspar Bauhin der Vorkämpfer für eine binäre Nomenklatur sei. Dies ist jedoch nur in sehr geringem Umfange der Fall, und zwar in erster Linie bei weit verbreiteten und meist medizinisch genutzten Taxa, wie z. B. «Euphrasia officinarum» [ = Euphrasia Rostkoviana HAYNE bzw. Euphrasia brevipila [[[BURNAT & GREMLI, in sched., nomen nudum, ex] TOWNSEND, nomen nudum, ex] GREMLI, emend. R. VON WETTSTEIN, nomen nudum, ex] R. VON WETTSTEIN; = Euphrasia vernalis, sensu auct., an etiam LIST [?]] oder «Aconitum ramosum» [= Actaea spicata LINNAEUS] oder bei Taxa kleiner «Gattungen», wie z.B. «Succisa» mit den beiden «Arten» «Succisa glabra» [= Succisa pratensis C. MOENCH] und «Succisa hirsuta» [= Knautia arvensis (LINNAEUS) COULTER].
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Pinax
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Erst mehr als fünfundzwanzig Jahre nach dem Erscheinen des «Phytopinax» folgt im Februar 1623 der «PINAX Theatri botanici sive Index in Theophrasti Dioscoridis Plinii et Botanicorvm qui a Seculo scripserunt Opera Plantarvm circiter sex millivm ab ipsis exhibitarvm nomina cvm earundem Synonymiis & differentiis methodice secundum earum genera & species proponens. Opvs XL. annorvm Hactenus non editum summopere expetitum ad auctores intelligendos plurimum faciens.» auf Kosten und mit Lettern des Ludwig König in Basel gesetzt und gedruckt und durch Bauhin 59 | 60 dediziert dem Vorsteher und Kanzler der Strassburger Universität, Adam Zorn, sowie dem Rektor und den Dekanen dieser Lehranstalt aus Dankbarkeit für die häufigen Ehrungen und Bewirtungen, die der Autor in Strassburg entgegennehmen durfte. Auf 522 numerierten, zweispaltig bedruckten und 24 unnumerierten Seiten, vor und hinter den numerierten Quartseiten, zählt Bauhin sämtliche damals bekannten «Arten» aus dem Pflanzenreich auf, im gesamten 5640. Die ersten 333 Seiten umfassen in derselben Anordnung und derselben Reihenfolge die acht Bücher des «Phytopinax», wobei die Anzahl der «Arten» allerdings auf 3839 angewachsen ist. Auch die Namengebung ist 1623 gegenüber 1596 weitgehend unverändert mit Ausnahme derjenigen Fälle, in denen Bauhin die betreffende «Art» einer anderen «Gattung» zuordnet. Dies ist in erster Linie der Fall innerhalb der «Gattung» der «Gramina» im Sinne des «Phytopinax», die nun in eine Reihe natürlicherer «Kleingattungen» aufgeteilt erscheint. Diese «Kleingattungen» bezeichnet Bauhin im «Pinax» mit Doppelnamen, deren erster Bestandteil durchgehend der bereits 1596 verwendete «Gattungsname» «Gramen» ist, ergänzt durch einen oder zwei ergänzende, meist ein morphologisches Merkmal bezeichnende Zusätze. So umfasst der «Gattungsname» «Gramen tremulum» z.B. im Prinzip die heutige Gattung Briza, in der «Gattung» «Gramen pratense paniculatum» finden sich Vertreter aus den heutigen Gattungen Holcus und Poa, während die bereits für den «Phytopinax» erwähnten Ausnahmen unter der Bezeichnung «Pseudocyperus», «Panicum», «Lolium» und «Festuca» nun im «Pinax» unter den «Gattungsnamen» «Gramen cyperoides» mit Vertretern der heutigen Gattungen Carex, Cyperus und Phalaris, «Gramen paniceum» mit Vertretern der heutigen Gattungen Panicum und Setaria, «Gramen loliaceum» mit Lolium-, Nardus- und Bromus-Arten sowie «Gramen Festucae», allerdings bei den Polynomen der einzelnen «Arten» wiederum als «Festuca» bezeichnet, und ein Sammelsurium aus Vertretern der heutigen Genera Bromus, Andropogon, Arrhenaterum, Festuca, Ventenata, Stipa und Aegilops darstellend, erscheinen. Demgegenüber fehlen jedoch im «Pinax» die genauen bibliographischen Angaben hinter den Autornamen, wohingegen zu den einzelnen «Arten» die vollständige Synonymie aufgeführt erscheint, wodurch der «Pinax» recht eigent lich zu einem «Nomenclator» wird, in etwa zu vergleichen mit dem «Index Kewen sis» der heutigen Zeit, während der «Phytopinax» durch die Anführung der entsprechenden Abbildungen zu den einzelnen «Arten» naheliegender an die Seite des «Index Londinensis» zu stellen wäre. Die vier im «Pinax» zusätzlich zum «Phytopi nax» aufgenommenen «Libri» neun bis zwölf enthalten einesteils die 1596 noch nicht berücksichtigten Gruppen, d.h. die Familie der Rubiaceae, den Grossteil der Familie der Fabaceae, einen Teil der Asteraceae sowie die Kryptogamen. Wie stark Bauhin trotz allem jedoch in systematischer Hinsicht noch im mittelalterlichen Gedankengut verfangen war, zeigt sich unter anderem an dem Sammelsurium, das er in der Sektion II des Liber XI unter den «Gattungsnamen» «Lobus» und «Fructus» oder unter dem «Familien»namen «Aromata» zu Beginn der III. Sektion des elften Buches zusammenfasst. Das gleiche mediävale Gedankengut erhellt sich auch aus den verbleibenden drei Sektionen des elften Buches sowie dem gesamten Liber zwölf, wo verholzte Kräuter, Sträucher und Bäume aus den verschiedensten Familien zusammengefasst sind. Der «Pinax» ist gegenüber dem «Phytopinax» nicht nur vollständiger, sondern dank einer übersichtlicheren Anordnung und der ausführlicheren Register leichter zu konsultieren, bleibt jedoch gleich der Veröffentlichung 60 | 61 aus dem Jahre 1596 im Grunde genommen doch nichts anderes als ein - wenn auch sehr ausführlicher- lexikographischer «Prospectus» der von Bauhin projektierten «Historia plantarum universalis». Die 1671 bei Johannes König in Basel wahrscheinlich durch Caspar Bauhins Sohn Johann Caspar in Auftrag gegebene Neuauflage unterscheidet sich ebensowenig von der Originaledition wie die Anno 1740 bei Johann Ludwig Brandmüller in Basel erschienene Ausgabe.
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Prodromos Theatri botanici
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Die auf taxonomischem Gebiet bedeutendste Publikation Bauhins ist sein Anno 1620 bei Paul Jacobi in Frankfurt a.M. auf Kosten von Johann Treudel auf 20 unnumerierten und 160 zweispaltig bedruckten, numerierten Quartseiten erschienener «PRODROMOS Theatri botanici, in qvo svpra sexcentae ab ipso primum descriptae cum plurimis figuris proponitur», der die Beschreibungen von 618 neuen «Arten» enthält, von denen deren 140 durch meist sehr ansprechende, die signifikativen Merkmale deutlich illustrierende Holzschnitte abgebildet sind. Bauhin dedizierte dieses Werk Philipp Ludwig, Freiherr von Putbus (gefallen als königlichschwedischer Oberst in der Schlacht bei Wittenweier nahe Breisach in Baden am 30. Juli 1638), der unter dem vierten Rektorat von Caspar Bauhin im August 1619 in Basel immatrikuliert hatte. Dieser «Prodromos» ist im Grunde genommen eine stark erweiterte Auflage derjenigen Abschnitte des «Phytopinax», die die 164 neuen «Arten» beschreiben, sowie des 8 Abbildungen enthaltenden «Appendix». Auch im «Prodromos» sind die neuen Arten kurz und deutlich beschrieben unter Beifügung des Fundortes, des Funddatums und des Finders. Die Einteilung entspricht derjenigen des drei Jahre später erschienenen «Pinax», d.h. die neuen «Arten» sind bereits hier den zwölf Büchern zugeordnet, was vermuten lässt, dass das systematisch Konzept des «Pinax», bereits zum Zeitpunkt der Abfassung des Manuskriptes für den «Prodromos» fertig vorlag. Anzunehmen ist ausserdem, dass zu diesem Zeitpunkt, d.h. bereits vor 1620, auch das Manuskript für den ersten Teil von Bauhins «Historia plantarum universalis» im Grunde genommen schon weitgehend abgefasst war, indem nicht weniger als 36 der 140 Abbildungen und 93 der 618 neuen «Arten» auf das die «Gräser» im Bauhinschen Sinne enthaltende «Liber primus» entfallen. Auch vom «Prodromos» erschien 1671, ebenfalls bei Johann König in Basel, im Quartformat, wahrscheinlich ebenfalls auf Betreiben von Caspar Bauhins Sohn Johann Caspar eine zweite Auflage, die - allerdings im Widerspruch zum Zusatz «Editio altera emendatior» auf der Titelseite - lediglich einen unveränderten Neudruck der Originalausgabe aus dem Jahre 1620 darstellt.
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Catalogus plantarum
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Im April des Jahres 1622 erschien beim Universitätsdrucker Johann Jakob Genath in Basel in Kleinoktav auf 113 numerierten Seiten neben einem 15 unnumerierte Seiten umfassenden Index der «Gattungsnamen» und «Authores citati» eine weitere, als bahnbrechend zu bezeichnende botanische Publikation Bauhins, nämlich sein «Catalogus plantarum circa Basileam sponte nascentium cum earundem Synonymiis & locis in quibus reperiuntur: in usum Scholae Medicae, quae Basileae est.» mit dem aus Galen entnommenen Zitat «Medicus, omnium Stirpium, si fieri potest, peritiam habeat, consulo: sin minus, plurium saltem, quibusfrequenter utimur.». Wenn auch vor Bauhins «Catalogus» mindestens ein Dutzend lokalfloraähnlicher Veröffentlichungen erschienen waren, so unter anderen der 64 unnumerierte Quartseiten umfassende, Anno 1615 in Altdorf bei Conrad Agricola erschienene «Catalogus plantarum quae circa Altorfium noricum et vicinis quibusdam locis, recensitus a Casp. Hofmanno» des Altdorfer Medizinprofessors Ludwig Jungermann und vor 61 | 62 allem die 1618 in Ingolstadt bei Wilhelm Eder verlegte Lokalflora von Ingolstadt und Umgebung von Vater und Sohn Menzel, Philipp und Albert, die auf 141 numerierten Oktavseiten neben einem unnumerierten Vorwort unter dem Titel «Synonyma plantarum, seu simplicium, ut vocant, circa Ingolstadium sponte nascentium cum designatione locorum et temporum, quibus vigent et florent: in usum scholae medicae Ingolstadiensis collecta» nach Fundorten geordnet 509 verschiedene «Arten» aufführt, so ist doch Bauhins «Catalogus» mit Abmessungen von 10x16 cm erst eigentlich eine Taschenflora zum Gebrauch auf Exkursionen. In derselben Ordnung, wie sie ein Jahr darauf im «Pinax» angehalten wurde, sind knapp über 1000 «Arten» aufgezählt, die in der unmittelbaren Umgebung von Basel, d.h. im Umkreis von ungefähr 2 km, zu Bauhins Zeiten gefunden waren, wobei zusätzlich noch die reiche Flora der Wasserfalle, dem 1019 m über Meer gelegenen Bergübergang zwischen Reigoldswil und Mümliswil im Bezirk Waldenburg im Baselbieter Jura, wohin Bauhin des öfteren zusammen mit seinen Studenten botanische Exkursionen unternahm, mit einbezogen wurde. Bei jeder einzelnen «Art» ist lediglich das von Bauhin auch im «Pinax» verwendete Polynom mit einem oder mehreren gängigen Synonymen, meist aus den Werken von Bock, Matthioli, Fuchs, Dodonaeus, Lobel oder Tabernaemontanus angeführt, doch fehlen elgentliche Beschreibungen; lediglich bei jenen «Arten», denen Bauhin eine gewisse Variabilität zumisst, weist er in wenigen Worten auf diese Tatsache hin. Der Hauptzweck des «Catalogus» ist jedoch zu jeder einzelnen «Art» Standort und Fundort möglichst genau anzugeben, so dass es im Prinzip auch heute noch möglich ist, die von Bauhin angeführten Lokalitäten nachzukontrollieren und einen floristischen Inventurvergleich der Pflanzen der unmittelbaren Umgebung Basels zwischen dem Jahr 1622 und heute anzustellen. Eine als «Editio tertia auctior» bezeichnete Neuauflage erschien Anno 1671 in gleichem Format und mit ebensovielen Seiten wie die Originalauflage bei Johann Rudolph Genath in Basel, und auch hier mag Caspar Bauhins Sohn Johann Caspar für diese Neuauflage verantwortlich sein, die zwar neu gesetzt wurde, sich inhaltlich, trotz des Hinweises «auctior», jedoch in nichts von der 1622 erschienenen Ausgabe unterscheidet. Eine zwischen 1622 und 1671 veröffentlichte «Editio altera» scheint im übrigen nie veröffentlicht worden zu sein, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass Caspar Bauhin selbst den 1620 erschienenen «Prodromos», der in der Mehrheit neue «Arten» aus der Basler Flora enthält, gewissermassen als Erstauflage seines «Catalogus» betrachtete; dies ist um so naheliegender, als er die Auflage von 1622 nicht explicite als «nunc primum editum» bezeichnete.
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Adresse des Autors: Dr. Hans Peter Fuchs-Eckert, CH-7099 Trin-Vitg, Tignuppa 146
*Teil III. [Teil I erschienen in Bauhinia 6/1 (1977) 13-48; Teil II erschienen in Bauhinia 6/3 (1979) 311-329.]
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